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Die Geschichte der Freilichtbühne

Das Gelände, auf dem sich heute die Freilichtbühne an der Zitadelle befindet, erreicht man über zwei malerische Wege, die vom Kriegsgott Ares bewacht werden. Nach Überqueren eines Wehrs erreicht man die idyllische Landspitze, von der aus sich ein wunderbar weiter Blick über den Spandauer See öffnet.

Hier inszenierte am 8. August 1567 Kurfürst Joachim der II. ein Kampfgeschehen zwischen Berliner und Spandauer Bürgern, das als "Knüttel- oder Knüppelkrieg" in die Geschichte Spandaus einging.
Später entstand auf der Landzunge der Sommerreitplatz der Spandauer Garnison.

Blick ueber das Wasser
Der Weg zur Freilichtbuehne
Blick über das Wasser Der Weg zur Freilichtbühne

Im Jahr 1921 gründete der Spandauer Theater-Prinzipal Otto de Lemos (genannt de Nolte) dann auf diesem Gelände die Freilichtbühne Spandau.
Schon in den Jahren vor dem ersten Weltkrieg stand de Nolte mit den meisten großen Schauspielern seiner Zeit auf den bekannten Bühnen des Landes. Er spielte vor allem komische Rollen. Der Liebhaber lag ihm nicht.

Bereits 1911 und 1912 war Otto de Nolte auf der Freilichtbühne Pichelswerder aktiv. Nachdem sich jedoch herausgestellt hatte, dass diese zu abgelegen für das Publikum war, gründete er 1919, nur ein Jahr nach dem Krieg, die Spandauer Volksbühne mit zunächst 800 Mitgliedern.
Nur zwei Jahre später zählte das Theater bereits 3000 Mitglieder und de Nolte konnte die "Freilichtbühne am Juliusturm" auf dem ehemaligen Reitplatzgelände gründen. Ein kulturbeflissener Offizier hatte mit den Worten: "Nun gut, dieses kleine Vergnügen wollen wir den Spandauern ruhig gönnen" die Erlaubnis gegeben, ihn in ein Naturtheater umzuwandeln. Das Geld für die ersten Zuschauerbänke - noch ohne Lehnen - lieh er sich von seiner Schwiegermutter.

Die Freilichtbuehne 1927 Freilichtbühne 1927
Zur Eröffnung der Freilichtbühne an der Zitadelle Spandau mit Grillparzers Sappho am 26. Juni 1921 berichtete die Spandauer Zeitung am Folgetag: "Mit einfachsten Mitteln hat Direktor Otto de Nolte es verstanden, in der reizvollen Waldeinsamkeit des idyllischen Zitadellenglacis ein geradezu ideales Naturtheater zu schaffen, das die Zuschauer alle Schönheiten des Grillparzerschen Werkes doppelt genießen ließ."

Seitdem wurde der Spielbetrieb in jeder Saison aufrechterhalten. In den ersten Jahren von 1921 bis 1927 fanden schon weit über 100 Vorstellungen statt, die von insgesamt ca. 20 000 Gästen besucht wurden. Die Schauspieler bekamen eine sehr geringe Gage für ihre Auftritte. Eine kurze Stellprobe vor den Aufführungen am Abend musste genügen, de Noltes Schwiegermutter agierte als Souffleuse. Dafür gab es nach den Aufführungen für alle Beteiligten frisch gefangenen und gegrillten Fisch aus der Havel; de Noltes Frau sorgte für Getränke.

Sappho 1921 4 Maenner
Sappho 1921 4 Männer
1926 statte der Berliner Oberbürgermeister Böß die Bühnen mit städtischen Mitteln zu einer dauerhaften Einrichtung aus. Spandauer Bezirkskörperschaften stellten Geld für Lehnen an den Bänken, die Wände mit Torbögen links und rechts auf der Bühne und die Garderobenhäuschen zur Verfügung. An der Planung der Teilüberdachung, die bis heute erhalten ist, war auch Otto de Nolte beteiligt. Zeitgleich wurden die beiden Wege zum Zitadellenglacis ausgebaut.

1932 baute sich der Theaterdirektor von dem Gewinn, den er mit seinem zur 700-Jahrfeier Spandaus geschriebenen Stück "Spandau im Wandel der Zeiten" verdient hatte, die "Direktorenwohnung" auf dem Gelände.
Von dem kleinen Holzhäuschen aus überwachte er den Zustand der Bühne und kontrollierte das Vorhandensein aller notwendigen Dinge für die Aufführungen. Otto de Nolte ließ hauptsächlich klassische Theaterstücke spielen und übernahm dabei jedes Mal auch selber eine kleine Rolle.

Sportfestival 1928 Theaterauffuehrung in den 30er Jahren
Sportfestival 1928 Theateraufführung 30er Jahre
Der Spielbetrieb dauerte vorerst bis 1942 an. Es wurde für Otto de Nolte immer schwieriger die Stücke zu besetzen, da viele der Schauspieler Juden waren und somit Auftrittsverbot bekamen. Ab 1943 machten es die verschärften Bombardements Berlins unmöglich, unter freiem Himmel Theaterstücke aufzuführen. Leider verschwanden in den Kriegsjahren die meisten Kulissen und der Kostümfundus der Bühne.
Durch den Verlust seines Sohnes während des Krieges fehlte Otto de Nolte nach dem Krieg die Kraft, die Spielleitung der Bühne fortzuführen.
Insgesamt war der Theaterprinzipal 25 Jahre lang Manager und Regisseur seiner Bühne. 1947 wurde ihm die "Regie" vom Bezirksamt wegen Altersüberschreitung endgültig abgenommen. Die Verwaltung übernahm der Kunstamtsleiter Ewald Blume, de Nolte blieb aber weiterhin in seiner Laube wohnen und sorgte dafür, dass alles Notwendige vorhanden war.
Programm Programm
Für seine Verdienste um die Spandauer Freilichtbühne erhielt Otto de Nolte 1956 das Bundesverdienstkreuz für immerwährende Pflichterfüllung und Treue. Erst kurz vor seinem Tod am 16. März 1968 übersiedelte der schwer kranke Mann mit Tränen in den Augen in die Zitadelle.

Nach dem zweiten Weltkrieg forderten die Spandauer Bürger mit Nachdruck ein eigenes Theater und sammelten von 1945-1949 dafür sogar Spenden in Höhe von 100.000 Mark. Der Wert dieses Geldes schrumpfte jedoch durch die Inflation auf ein Zehntel zusammen, sodass der Bau eines Theaters in Rathausnähe ein Traum bleiben musste. Die Spenden wurden stattdessen 1949 zur Instandsetzung der durch den Krieg ramponierten Freilichtbühne verwendet.

Taenzerinnen 1928 Tänzerinnen 1928
In den 1950er und 60er Jahren wurde in der Freilichtbühne ein Buntes Programm unter der Leitung des Kunstamtes Spandau geboten. Besonders beliebt waren "Bunte Abende", es wurden aber auch Theaterabende unter wechselnder Regie (z.B. Theater Varianta und Privattheatergesellschaft Elektra) und sogar Grammophon-Konzerte gegeben.
1960 hatte die Freilichtbühne an der Zitadelle große finanzielle Probleme. Ein neues Konzept, das weniger klassisches Theater vorsah, sich dafür jedoch mehr am Publikumsgeschmack orientieren würde, sollte den Spielbetrieb aufrechterhalten: Die Zahl der volkstümlichen Abende wurde erhöht, Serenadenabende wurden eingeführt und die Spandauer Chöre sowie andere regionale Gruppen sollten die Freilichtbühne bevölkern. Otto de Nolte, der ja immer noch in seiner Laube auf dem Gelände wohnte, sah diese Veränderungen seines Theaters gar nicht gerne.
Militaerorchester in der Freilichtbuehne Volle Zuschauerbaenke
Militärorchester volle Zuschauerbänke
1961 stellte das Bezirksamt abermals Geld zur Verfügung. Der Leiter des Kunstamtes Ewald Blume ließ im Winter das jetzige Toilettenhäuschen mit integriertem Imbiss bauen. Die Überglasung der Pergula wurde geplant. 1967 wurde auch die Lichttechnik modernisiert: Anstelle von an Bäumen befestigten Lampen traten Masten mit modernen Bühnen-Scheinwerfern.
In dieser Zeit fanden bis zu zwölf Konzerte im Jahr statt. Bei einem Rockfestival in den späten 70er Jahren bevölkerten etwa 2000 Gäste die Freilichtbühne. Die Rockgruppen "Wacholder", "Montana" und "Androméda" waren so beliebt, dass diejenigen, die keine der 800 Karten mehr abbekommen hatten, durch den Burggraben wateten, um auf das Gelände zu gelangen. Bis 1983 fanden diverse volkstümliche Veranstaltungen statt. Danach fiel die Freilichtbühne vorerst in einen "Dornröschenschlaf"(Zitat: Spandauer Volksblatt).
Zeitungsausschnitt vom Umbau der Freilichtbuehne Bilder vom Rockfestival
Umbau Rockfestival
1983 entstanden die Pläne für das Zeltdach. Bezirksstadtrat Siegurd Hauff und der neue Kunstamtsleiter Gerd Steinmöller wollten die Bühne damit witterungsbeständiger machen. Das dreieckige Zeltdach über der Bühne wurde mit Betonsockeln verankert, war nach hinten abfällig, um den Regen abzuleiten und konnte im Winter oder bei Aufführungen, die den Wald als Kulisse brauchten, abgenommen werden. Bis zu diesem Zeitpunkt war man bei schlechtem Wetter in den Festsaal der Zitadelle umgezogen, was sich jedoch vor allem wegen der Kulissen oft schwierig gestaltete.
Nach dieser langen Umbauphase wurde 1985 die Freilichtbühne mit der Veranstaltung "Spandau wie es singt und lacht" wiedereröffnet. 1986 übernahm das Altstadttheater Spandau e. V. unter der Leitung von Achim Grubel und Gabriel Reinking die Regie. Ab jetzt wurde die Bühne an ca. 30 Abenden pro Sommer bespielt.

Neues Dach fuer die Freilichtbuehne Veranstaltung nach dem Umbau
Neues Dach nach dem Umbau

1991 kam das Theater in große finanzielle Schwierigkeiten und stand kurz vor der Schließung. Es sollten Donatoren gefunden werden, um die Bühne zu retten. Die Leitung der Bühne versuchte mit verschiedenen Jazz- und Rock-Konzerten mehr Publikum zu gewinnen, außerdem zeigte "Sputnik" erstmals Freiluftkino in der Freilichtbühne. Die Idee des Freiluftkinos kam beim Publikum so gut an, dass sie über einige Jahre fortgesetzt wurde.
Ab 1996 übernahm Matthias Diem die Regie mit so anspruchsvollen Werken wie Schillers "Wilhelm Tell", Shakespeares "Romeo und Julia" sowie dem "Sommernachtsraum" und Mozarts "Zauberflöte". 1999 kündigte er den Vertrag mit der Begründung, die Rahmenbedingungen ließen eine Mitwirkung nicht mehr zu.

Die Leitung der Freilichtbühne übergab der Kulturstadtrat Gerhard Hanke daraufhin 2000 an Ulrich Funk, den Leiter des Kulturhauses Spandau. Als erstes ließ er die Bühne ausbauen und vergrößern und erneuerte die gesamte Ton- und Lichttechnik. Ulrich Funk erarbeitete ein neues Konzept: Er ging eine Kooperation mit dem Theater des Westens ein, der KinderMusikheater e. V. erhielt mehr Spieltermine, die erste Sommer-Familientheater-Reihe entstand in dieser Saison, Konzertabende, Theater und Shows wechselten sich ab.

Heute veranstaltet das Bezirksamt Spandau durch das Kulturhaus Spandau in Kooperation mit dem Magma Theater Spandau ein bunt gemischtes Programm mit ca. 80 Veranstaltungen pro Saison auf der Freilichtbühne, noch immer unter der Leitung des Kulturhausleiters und stellvertretenden Kunstamtleiters Ulrich Funk.

Impressum:
Die bezaubernden alten Fotos sind uns vom Stadtgeschichtlichen Museum zur Verfügung gestellt worden. Außerdem durften wir hier Einsicht in viele spannende Dokumente nehmen. Vielen Dank dafür!

Gestaltung und Ablichtung der Bilder: Dieter Engelmann
Recherche und Text: Britta Richter

Wir erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sollten Sie noch Erinnerungen haben, die in unserer kleinen Ausstellung fehlen, freuen wir uns über Ihre Informationen!